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Lifestyle

Gedanken zum „Leben zu Dritt“ – ein Jahr später

20. August 2018. An dem Tag ist mein Post online gegangen mit meinen persönlichen Gedanken und Gefühlen zum „Leben zu Dritt“. Ich war damals hochschwanger – 10 Tage später kam Linus zur Welt. Heute, genau 1 Jahr später, möchte ich das Thema Revue passieren lassen. Was hat sich in den Gedanken verändert. Was ist so eingetreten, wie ich es mir vorgestellt habe, konnte ich gewisse Aspekte umsetzen oder war die damalige Vorstellung vom Leben zu Dritt eine völlig andere zur jetzigen Realität?

Genau wie damals unterteile ich diesen Post in zwei große Aspekte. Das Private Leben zu Dritt als Familie und das Leben zu Dritt als berufstätige Frau.

Das Leben zu Dritt im Privaten

Aus einer Partnerschaft, die sich nur um die Wünsche und Sorgen von zwei Personen gedreht hat, wurde in den vergangenen Monaten eine Familie, deren primäres Ziel es ist, das kleine Wesen „zwischen ihnen“ zu versorgen. Dabei blieb und bleibt ganz klar die Zweisamkeit auf der Strecke. Ich denke jedes Paar wird diese Erfahrung machen. Denn auch wenn das Baby, so wie Linus, unfassbar unkompliziert und genügsam ist, fallen eben im Alltag mit Baby Unmengen an neuen Aufgaben an, die es erstmal zu bewältigen gilt. Mit dieser neuen Situation mussten wir uns auch erstmal arrangieren. Es fiel uns zwar nicht schwer uns an die neue Lebenssituation zu gewöhnen, denn irgendwie fühlte es sich direkt so vertraut und normal an, aber im Laufe der Zeit wurde uns eben der „Verzicht“ mehr und mehr bewusst. Die eigenen Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung, nach Zweisamkeit, nach Ruhe und auch einfach mal „Langeweile“ stehen ganz klar hinten an und kommen in der Regel viel zu kurz. Die Momente, in denen man einfach mal das machen kann was man selber möchte – absolute Ausnahmen. Dennoch bin ich sehr überrascht, wie die neue Routine in den Alltag gefunden hat. Wie von alleine haben sich gewisse Arbeitsaufteilungen bei uns ergeben. Und das hat mir gezeigt, dass wir nicht nur zwei Personen sind, die ihr Leben gemeinsam leben. Wir sind ein Team, was die neuen Aufgaben gemeinsam bewältigt! Während der eine Linus zum Beispiel abends ins Bett bringt, räumt der andere unten auf, so dass dann gemeinsam der „Feierabend“ eingeläutet werden kann. Das nur als beispiel für zig solcher Momente, die „Hand in Hand gehen“.
Wie früher einfach mal den TV anschalten, sich berieseln lassen und vom jeweiligen Tag erzählen – das sind dann die Momente, die wir sehr genießen. Denn oftmals fallen wir nach einem anstrengenden Tag auch einfach totmüde ins Bett. Die Aufgabe „Eltern sein“ ist definitiv ein 24/7 Job, der dann neben dem normalen Beruf und Haushalt auch noch gewuppt werden muss. Der Job „Eltern“ bedeutet oftmals Stress, Verzicht, Übermüdung und ja auch die Tonart untereinander ist manchmal zickiger und forscher, als sie eigentlich sein sollte. Doch auch das ist völlig normal und okay.

Und trotz all dieser neuen Hürden – und vielleicht sogar genau deswegen – sind wir enger zusammen gewachsen als jemals zuvor. In dieser Hinsicht hatte ich also vor einem Jahr den richtigen Riecher:

Und ich glaube die Liebe zueinander wird noch einmal auf ein ganz anderes Level gehoben, wenn man sieht, was man dort „erschaffen“ hat und was man im Stande ist gemeinsam groß zu ziehen.

Stolz trifft es wohl ganz gut. Der gemeinsame Stolz über dieses Kind, was uns so unfassbar viel Freude bereitet. Der Stolz über uns – dass wir als Eltern bisher genau den Weg gehen können, den wir uns ersehnt haben. Dass die groben „Vorstellungen“ an das Elterndasein stimmen. Die Freude, dieses Kind aufwachsen sehen zu dürfen. Die Freude dieses pure Glück zu erfahren wenn man in das lachende Gesicht seines Kindes blickt.

Die Liebe zueinander als Paar definiert sich nun durch noch größeres Vertrauen, durch mehr Dankbarkeit, durch mehr Verständnis dem Partner gegenüber. Und hier sind es oftmals gar nicht mehr die „großen“ Liebesbeweise und -gesten sondern einfach die kleinen Dinge im Alltag, die einen merken lassen: unsere Liebe ist da – sie hat sich zwar verändert aber bei weitem nicht ins „negative“. Sie ist noch ehrlicher, noch bedeutender, noch intensiver. Und das trotz fehlender Momente zu Zweit als Paar. Wenn das nicht etwas ist worauf man stolz sein kann, dann weiß ich es auch nicht.

Nichtsdestotrotz müssen wir definitiv dadran arbeiten uns mehr Zweisamkeit „herauszunehmen“. Im vergangenen Jahr waren wir einmal zu Zweit im Kino und haben eine Übernachtung „außer Haus“ an unserem 5. Hochzeitstag gemacht. Diese zwei Momente fühlten sich wunderschön und komisch zugleich an. Denn wir haben diesen quirligen Kameraden zwischen uns vermisst. Wir haben stets gemerkt: „da fehlt etwas“ und trotzdem haben wir uns zurückversetzt gefühlt in unsere Kennenlernzeit. Es fühlte sich schon fast an wie die Zeit der ersten Dates. Ein total tolles Gefühl, denn wann war Liebe so „kribbelig“ und „aufregend“ als zu dieser Phase? Und mit diesen Schmetterlingen im Bauch, die wieder neu aufkeimen, wird einem wieder erneut bewusst: Die Liebe zueinander ist da! Wir zwei gegen den Rest der Welt. Wir zwei – egal was kommt, wir meistern es.

Das Leben zu Dritt als berufstätige Frau

Ich glaube es gibt zahlreiche Themen wo man unter Müttern untereinander „aneckt“. Sei es das Thema „schlafen gehen“, „stillen“ oder eben das große Thema „wann gehst du wieder arbeiten“. Für mich gilt hier grundsätzlich der Leitsatz: jeder so, wie er es für richtig hält. Es gibt nicht DEN einen richtigen Weg, der für alle Paare, Eltern, Kinder, Mütter, Väter, … funktioniert. Jede Familie und jede Person muss für sich selber entscheiden, welcher Weg sich für sie individuell richtig anfühlt und sie glücklich macht.

In meinem Post von vor einem Jahr habe ich erzählt, dass für mich meine Arbeit eine Art Selbstverwirklichung ist. Ich liebe meinen Job! Ich liebe es kreativ zu arbeiten. Ich gehe darin auf und erreiche die Zufriedenheit und die Motiviation, die ich brauche um glücklich zu sein.

Nach einem Jahr nun kann ich sagen: Ich liebe auch meine Mutterrolle! Die neuen Aufgaben sind herausfordern. Sie fordern ein Höchstmaß an Organisation, Koordination, Belastbarkeit, Durchhaltevermögen und Strapazierfähigkeit. Sie erschöpfen mich vollends aber machen mich auch sehr glücklich und zufrieden.

Aber es ist eine andere Art Zufriedenheit als sie mir meine Arbeit gibt. Und so stand für mich recht schnell fest, vor allem als der Bescheid von der Elterngeldstelle kam, dass ich vereinzelte Jobs auch in meiner Elternzeit annehmen werde. Nicht nur wegen einzelnen Kunden, die man natürlich nicht verlieren will, auch einfach aus finanziellem Grund. Durch Hausbau und Anschaffungen rund ums Baby haben wir einen finanziellen Deckel, der sich eben weiter finanzieren muss.

Was für mich allerdings klar stand: Ich möchte und werde mein Kind nicht mit einem halben Jahr in die KITA geben. Für Eltern, wo es keine andere Möglichkeit der Betreuung gibt, sind solche Einrichtungen natürlich ein absoluter Segen. Auch für die Kinder ist eine frühe Integration mit anderen Kindern sicherlich toll. Wir handhaben dies aber für uns anders und haben uns für den Weg entschieden, dass ich soweit es geht Jobs angenommen habe, die ich von zu Hause erledigen konnte oder mein Mann für den Fall eines „On Location“ Jobs Home Office machen kann und/oder sich einen Tag Urlaub nimmt. Auf Spieldates gehen wir sowieso regelmäßig, so dass Linus in Punkto Integration auch nicht zu kurz kommt.

So habe ich also vereinzelt schon Jobs absolviert. Und jetzt mit Ende der Elternzeit wird es noch intensiver. Die damalige Frage:

Und trotzdem bleiben die Zweifel: Was ist, wenn das alles nicht so hinhaut, wie ich mir das vorstelle? Wenn der kleine Mann mehr Aufmerksamkeit braucht als ich es mir aktuell vorstellen kann? Wenn er nicht damit klarkommt, dass seine Mama mal für ein paar Stunden weg ist? Das wird sich zeigen und auch dann wird man eine Lösung finden, mit denen alle Beteiligten glücklich und zufrieden sind – da bin ich mir sicher.

Sagen wir so: es ist anders, als ich es mir vorgestellt habe. Die Vermissung ist groß, wenn ich weg bin (ich glaube von meiner Seite mehr als von Linus, der natürlich die beste Bespaßung in der Zeit bekommt). Der Verzicht auf den gemeinsamen Alltag wenn ich arbeiten muss und auch mal ein „Nein, Mama hat jetzt gerade keine Zeit, geh zu Papa“ tut weh. Sehr sogar! Ich liebe die gemeinsame Zeit mit meinem Kind und möchte jeden noch so kleinen, besonderen, ersten Moment aufsaugen bevor er vorbei ist. Lange Produktionen über mehrere Tage und Wochen habe ich nicht angenommen. Obwohl ich dachte, ich würde es früher wagen. Meine erste große Produktion hatte ich vor ein paar Tagen. Trotzdem, dass ich im Home Office / Studio war und ich Linus zumindest ab und an gesehen habe, fiel es schwer ihn nicht „bei mir zu haben“. Und gleichzeitig war ich unfassbar glücklich! Klingt komisch, aber genau hier kommen wir wieder zu dem Punkt: Ich habe Zeit für meine Dinge gehabt. Auch wenn es „Arbeit“ war. Ich habe meine Ziele und Wünsche verfolgt. Thema Selbstverwirklichung! Das Gefühl etwas zu leisten, was eben die Familie „ernährt“ pusht mich und lässt trotz aller Erschöpfung ein Gefühl der absoluten Zufriedenheit zurück. Und trotzdem bleibt es: Dieser Funken schlechten Gewissens. Den man wohl nie vollends ablegen kann, mit dem es sich aber lernt umzugehen.

Kleinere Jobs im Home Office zu Beginn waren übrigens überhaupt nicht schwer. Linus hat von Beginn an tagsüber (mit Ausnahme in gewissen Schüben) super und viel geschlafen. In diesen Auszeiten konnte ich dann arbeiten. Als ganz kleines Baby war es auch möglich mal für eine halbe Stunde / Stunde etwas abzuarbeiten, während der kleine Mann beschäftigt unter seinem Spielbogen lag. Schwierig in der Organisation wurde es dann als es eben hieß: Mama, Bespaßung bitte! Heißt im Klartext: was anfangs noch recht easy von statten ging, wurde mit der Zeit immer schwerer. Linus wurde fordernder und die Schlafphasen wurden kleiner – die Arbeitsstunden also auch. Arbeiten während Linus mit mir alleine zu Hause ist funktioniert also nicht mehr. Es muss also wirklich gut geplant und organisiert werden, wenn ich einen Job annehme. Durch den Verzicht auf die frühe KITA eben noch mehr.
Das ist ziemlich stressig und manchmal fragt man sich, warum man sich diese „Doppelbelastung“ überhaupt antut (vom finanziellen jetzt mal abgesehen). Wenn ich dann aber auf einen erfolgreichen Job zurückblicke bin ich stolz auf mich. Stolz auf die Jonglage zwischen Muttersein und „Karriere“. Und stolz darauf, beides vereinen zu dürfen. Denn beides erfüllt mich, aber nur gemeinsam bin ich vollends glücklich und zufrieden. Und ich bin fest überzeugt, dass meine Zufriedenheit sich auf unsere Partnerschaft und meine Mutterrolle auswirkt – und zwar positiv und mit voller Liebe!

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