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Lifestyle

Corona-Krise und was ich Positives daraus gelernt habe

Woche 8. Das sind 56 Tage und 1344 Stunden in der unsere Welt, wie wir sie kennen einmal komplett auf den Kopf gestellt wurde. 8 Wochen in den eigenen vier Wänden – nur das Nötigste besorgen und keine sozialen Kontakte. Keine Familie, keine Freunde, keine Spielplätze, keine Restaurantbesuche, kein bummeln in der Stadt.

Hallo Corona! Mein Name ist Vicky, 31, Fotografin und du hast mich völlig überrumpelt.


Ich bin ein absoluter Familienmensch. Erst neulich hat mir eine alte Schulkameradin geschrieben, dass ich immer meine Liebsten um mich herum haben wollte. Geburtstage wurden im Kreise ALLER gefeiert – Familie & Freunde! Ich liebe es mich mit Freunden zu treffen, einfach zu quatschen, gemeinsam spazieren zu gehen und nehme mir dafür gerne und immer Zeit – egal wie stressig eine Phase ist oder „wie weit der Weg“.

Neben meiner Mama-Rolle Zuhause bin ich freiberufliche Fotografin im Werbebereich. Ich bin viel für Produktionen unterwegs und treffe dort auf Menschen von aller Welt. Ich lerne dabei täglich neue Kollegen kennen und bin in meinem Arbeitsumfeld mit allerlei Kreativität und Freude unterwegs.

Für mich waren diese Situationen absolut selbstverständlich – bis vor ein paar Wochen.

Die neue Situation, an die wir uns alle erst rantasten mussten, ist nun immer mehr zum Alltag geworden. So langsam erahnt man einen Lichtblick am Horizont und Einschränkungen beginnen gelockert zu werden. Trotzdem glaube ich, dass es noch ein langer Weg ist, bis man wieder von einem Alltag, wie wir ihn kannten, sprechen kann.

In den vergangenen 8 Wochen gab es einige schlechte Tage – Tage an denen ich geweint habe weil mir meine Familie so sehr fehlt. Tage an denen ich wütend über das System war, das meine Grundrechte einschränkt. Es gab Tage da war ich antriebslos, da ich müde war vom „nichts tun“. Keine neuen Erlebnisse, kein Austausch fern ab von den eigenen 4 Wänden.

Doch dann gab es auch ziemlich viele positive Tage – und diese sind in der Anzahl den schlechten Tagen um ein deutliches voran. Denn ich habe gelernt! Ich habe so unglaublich viel dazugelernt.

… ich habe gelernt wie sehr ich die Zeit mit meinen beiden Männern Zuhause genießen kann

Unternehmungen, raus aus dem Haus, Neues erleben! Die Wochenenden waren genau dafür da! Ich liebe unser Zuhause aber am Wochenende trieb es mich gemeinsam mit meiner kleinen Familie einfach immer „weg“. Kleine Ausflüge, ab und an Essen gehen, eben Dinge abseits des „Zuhausealltags“. Wenn wir mal nicht unterwegs waren, war ich teilweise etwas enttäuscht.

Heute weiß ich, wie wunderschön ein Wochenende „nichtstun“ sein kann. Wie lang einem der Tag vorkommt (im positiven Sinne), wenn man nicht von A nach B „hetzt“. Wie sehr ich „genießen“ kann, wie wenig „anderes“ ich um mich herum brauche als meine beiden Lieblingsmenschen.

Dazu kommt, dass wir neben den Wochenenden aufgrund der „Homeoffice“-Situation von meinem Mann auch in der Woche so viel mehr Zeit füreinander haben. Das Pendeln von 80 Kilometern entspricht gut 2 Stunden täglicher Zeit, die einfach wegfällt. Gerade Linus genießt die Mehrzeit mit Papa gerade so sehr – das gemeinsame Mittagessen und einfach mal ein kurzes „Hallo“ zwischendrin. Familienzeit deluxe! Und ich bin so dankbar über jede Minute!

… ich habe gelernt gewisse Dinge noch mehr zu würdigen

Wie zum Beispiel Umarmungen. Oder ein kurzes Gespräch mit der Kassiererin, bei der man das Lächeln sieht. Die Maskenpflicht finde ich zwar nicht tragisch, aber als Mensch, der immer gerne seinen Mitmenschen mit einem Lächeln begegnet, fällt es mir doch irgendwie schwer…

Die Dankbarkeit in einem Haus mit Garten zu leben ist nun noch viel präsenter. In einem Haus, was so viel Platz bietet, dass jeder mal die Möglichkeit hat, sich zurückzuziehen wenn es nötig tut. Ich bin dankbar über das Leben auf dem Land wo alles gefühlt etwas entzerrt ist und die Situation bei uns noch nicht „direkt vor der Tür“ angekommen ist.

Die Freiheit und Spontanität, die gerade so stark eingeschränkt wird – haben wir jemals so stark darüber nachgedacht, irgendwie eingeschränkt zu sein in diesen Grundgedanken? Ich nicht! Und manchmal benötigt es diese Einschränkung, diesen Verlust um sich dessen mal ganz deutlich bewusst zu werden. Um dann wieder dafür zu kämpfen.

Das Internet dient nun nicht mehr nur dem „Job & Zeitvertreib“ sondern gibt uns die Möglichkeit Familie und Freunde zu „sehen“. Selbstverständlich war dies aber nicht immer und gerade jetzt bin ich dankbar in dieser modernen Welt zu leben, wo mir wenigstens ein virtueller Besuch meiner Liebsten ermöglicht wird.

Und dann wäre der absolut wichtigste Punkt: Gesundheit. So viel Leid und Elend gerade. So viel Trauer und Verlust, den viele Menschen nicht nur aktuell sondern allgemein durchstehen müssen. Meine Liebsten sind gesund und das ist das schönste Gefühl!

… ich habe gelernt mir neue projekte zu suchen

Ich glaube ich habe in den vergangenen Wochen noch nie so viele Dinge erledigt. Und das mit einer völligen Entspannung – denn ich hatte keinen Zeitdruck. Ich bin etliche Gartenprojekte alleine angegangen, habe das Haus mal wieder ordentlich entrümpelt und habe wieder freie Fotostrecken im kleinen Homestudio fotografiert. Auch dieser Blog hier ist seit Corona (oder muss ich dann schon fast sagen „dank Corona“) wieder deutlich aktiver geworden. All dies sind Dinge, die mich glücklich gemacht haben und mir gezeigt haben, dass ich neue Wege gehen kann und Zeit für mich und meine Interessen investieren darf.

… ich habe gelernt viel bewusster mit lebensmitteln umzugehen

Gesund ernährt haben wir uns eigentlich schon immer aber tatsächlich haben wir für meinen Geschmack immer viel zu viel weggeschmissen. Durch das fast tägliche Einkaufen landeten im Einkaufskorb natürlich nicht nur die Dinge, die auf dem Zettel standen. Seitdem wir nun aber versuchen wirklich nur einmal die Woche einkaufen zu gehen, einen Wochenplan mit Gerichten haben und einfach auch Vorräte aufbrauchen, gehe ich viel bewusster mit dem Konsum von Nahrungsmitteln um. Ich werde kreativer beim Kochen und es macht mir wieder deutlich mehr Spaß in der Küche zu stehen und neue Gerichte auszuprobieren.

… ich habe gelernt, „morgen ist auch noch ein Tag“

Aufgaben mit Zeitdruck, Termine, Erledigungen – und oftmals vieles „selbstauferlegt“. Mit den Worten „heut muss ich unbedingt…“! So sah der Alltag vor ein paar Wochen aus. Den Tag starten mit einer lange Listen von Dingen, die unbedingt abgehakt werden müssen.

Die letzten Wochen haben mir gezeigt, dass viele Dinge liegen bleiben dürfen. Natürlich gibt es Dinge, die einfach irgendwann erledigt sein müssen, aber grundsätzlich frage ich mich inzwischen immer mehr: hat das nicht auch noch Zeit? Ich bin trotz allem ein durchstrukturierter Mensch – das werde ich auch nie aufgeben können. Aber ich bin abends weniger enttäuscht, wenn Aufgaben unerledigt blieben. Und das wirkt sich absolut positiv auf meine Stimmung aus.


All diese Dinge lassen mich lächeln. All diese Dinge machen mich glücklicher und irgendwie „geerdeter“. Ich weiß, dass es nicht in jeder Familie so „harmonisch“ aussieht. Dass viele Eltern überfordert mit den aktuellen Situationen Zuhause sind. Betreuungen fehlen. Jobs sind gefährdet. Partnerschaften werden auf eine harte Probe gestellt. Ängste, Trauer und Wut sind häufige Begleiter. Die Situation gerade ist alles andere als leicht und unbeschwert.

Wir können aktuell (noch mehr als sonst schon) von Glück reden, ein so unkompliziertes Kind so haben. Was noch lange Mittagsschlaf hält, was sich auch mal gut mit sich alleine beschäftigen kann. Dass wir beide uns die nötigen Auszeiten schaffen können und uns unterstützen wo es nur geht. Wir sind dankbar, dass nicht wir beide berufliche Abstriche machen müssen und das finanzielle weiterhin gut stemmen können. Aber auch hier gibt es schwierige Momente. Wo wir uns anzicken. Wo wir nicht mehr können, wo wir einfach raus wollen. Raus und in das alte Leben zurück!

Aber es gibt sie eben – die Zeiten, die uns alle irgendwie „fordern“. Die uns bewusster wahrnehmen lassen. Die, die wir nie vergessen werden. Die, von denen wir noch lange erzählen werden. Denn egal wie jede Situation Zuhause ist, wir sitzen alle irgendwie in einem Boot – weltweit! Dieser Gedanke ist wirklich verrückt. Und auch ich sehne mich nach den „alten Gewohnheiten“. Nur, dass ich diese für mich mit kleinen, neuen und positiven Erkenntnissen schmücke.

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